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Evangelische Kirchengemeinde Kassel - Mitte
Gemeindebezirk Karlskirche |
Das Glockenspiel der Karlskirche

Wochentags und an Sonntagen hören Kasseler Bürger und Gäste unserer Stadt das Glockenspiel unserer Karlskirche. Die meisten freuen sich, erkennen den einen oder anderen Choral und summen oder singen ihn sogar mit. Das handgespielte, unüberhörbare Glockenspiel
ist bekannt, kennen wir auch seine Geschichte?
In Kassel wurde bereits 1938 ein Glockenspiel auf dem Rathausturm errichtet, das aber bei der Zerstörung Kassels im Jahre 1943 in Schutt und Asche viel.
Auch die in 1698 erbaute Hugenottenkirche wurde im Oktober 1943 total zerstört. Als sie in den 50er Jahren wieder aufgebaut wurde, hatten einzelne Gemeindeglieder die Idee, ein Glockenspiel bauen zu lassen. Familien, die in Kassel beheimatet waren oder eine
neue Heimat gefunden hatten, wollten in Gedenken an gefallene, vermisste oder im Krieg gestorbene und umgekommene Angehörige Glocken stiften. Der gesamte Kirchenvorstand mit seinem Gemeindepfarrer Hans Frommhold begrüßte diesen Vorschlag. Zu den Initiatoren,
bei denen an erster Stelle Herr Hans von Hülsen und Herr Dr. Dr. Kurt Fürer standen, kamen Stifter hinzu.
In einem Zeitungsartikel der Hessischen Zeitung vom 15. Februar 1957 gibt Herr Pfarrer Frommhold noch weitere Motive an, die zum Bau des Glockenspiels führten: "Die ganz moderne Stadt mit ihrem kommerziellen Getriebe, ihrem Verkehr, mit ihrer Technik ist schon
an sich ein "Glockenspiel". In diesem Spiel fehlen zwei Töne: Die Kunst, der im neuen Staatstheater am Friedrichsplatz wieder eine neue Heimstatt ersteht, und die Stimme, die den Menschen zu den Werten ruft, die über ihm und seinem Leben stehen."

Das Glockenspiel (Carillon) der Karlskirche wurde im Jahre 1956 / 1957 von der Firma F. W. Schilling in Heidelberg innerhalb neun Monaten gegossen. Der Herstellungspreis von 42.000 Deutschen Mark konnte zum größten Teil aus Spenden aufgebracht werden. So stifteten die Gemeindemitglieder ihren Kriegsopfern je eine Glocke mit dem Namen und einem Wort aus dem Credo (Glaubensbekenntnis) in lateinischer Sprache. Alle Glockeninschriften ergeben zusammen das vollständige Gebet.
Das Instrument hatte 35 Glocken mit den Tönen ais' ,c'' , d'' , .... ais''''. Das Gesamtgewicht beträgt 1.750 kg. Die fünf kleinsten Glocken wurden vom Glockengießer selbst gestiftet. Alle Glocken haben ein schweres Profil: ais' wiegt ca. 400 kg, die kleineren Glocken wiegen 18 kg statt 5 kg - so dass der Gesamtklang volltönend ist und die kleinen Glocken nicht etwa zu hell oder blechern klingen. Als Traktur wurde eine Wellenmechanik (tuimelaer) eingesetzt. Die Klöppel sind aus Schmiedeeisen (geledert) und am Ende in Zugrichtung gebogen. Vier große Glocken sind als Läuteglocken eingeschlossen (ais' , c'' , es'' , g'') und werden deshalb mit einem Hammer von außen angeschlagen.
Während unser Glockenspiel noch in Heidelberg war, gab der damalige Direktor der Niederländischen Glockenspielschule in Amersfort, Herr Leen't Hart, Anfang Februar 1957 eine erste Glockenspielmusik. Danach kam das Spiel nach Kassel, zunächst in den Gemeindesaal der Karlskirche, wo viele Gemeindeglieder, Stifter und Interessenten es besichtigten. Drei Monteure der Firmen Schilling und Kisselbach, Baunatal, brauchten alsdann etwa zwei Wochen, um die Glocken aufzuziehen und in der "Laterne" auf dem Dach der Karlskirche zu montieren.